Der Mythos „24h-Rennen“ wurde auf der Nordschleife geboren: in der „Grünen Hölle“ zwischen Hatzenbach und Hohenrain – und eigentlich schon in einer Julinacht des Jahres 1965. Denn in dieser Nacht vom 17. auf den 18. Juli
wollte der Motorsportclub (MSC) Langenfeld in den späten 60er Jahren eine neue Veranstaltung ins Leben rufen. Nachdem es in Le Mans bereits seit 1923 und in Spa-Francorchamps seit 1924 die legendären 24-Stunden-Rennen gab, sollte es nun auch eine Langstreckenprüfung in der „Grünen Hölle“ geben. 12 Stunden lang war dieses Event, das mehr einer Rallye als einem Rennen glich – doch diese Stunden hatten es in sich!

Passend zur längsten, schwierigsten und schönsten Rennstrecke der Welt wurde das Konzept dieser Vorläuferveranstaltung des 24h-Rennes gewählt. Nach dem Start um 20:00 Uhr waren für die Teams rund 520 km in Wertung zu absolvieren. Den Löwenanteil machte eine Gleichmäßigkeitsprüfung über 20 Runden auf der Nordschleife aus, daneben waren vor der Zieldurchfahrt am Morgen insgesamt acht nächtliche Sonderprüfungen auf Teilstücken der Nordschleife angesetzt.

Kooperation von ADAC Nordrhein und MSC Langenfeld
„Der Erfolg der Veranstaltung war enorm“, erinnert sich Kurt Bernards, der in den 60er Jahren in den MSC eintrat und lange Jahre dem Vorstand des Langenfelder Clubs angehörte. „Schon im ersten Jahr gab es 150 Nennungen, zwei Jahre später wurde außerdem eine 24-Stunden-Veranstaltung ins Leben gerufen.“ Mit der Verdopplung der Distanz war auch ein Wechsel in der sportlichen Organisation verbunden. War der MSC bislang als Veranstalter aufgetreten, so überstieg das wirtschaftliche Risiko nun die Leistungsfähigkeit des Clubs. Der ADAC Nordrhein, der schon die 12-Stunden-Prüfung unterstützt hatte, übernahm fortan die Rolle des Veranstalters, während die routinierte Mannschaft des MSC Langenfeld die sportliche Ausrichtung übernahm. „So wurde die Veranstaltung schließlich erwachsen“, berichtet Bernards. „Bei der 24-Stunden-Siegerehrung des Jahres 1969 wurde schließlich verkündet, dass es ab 1970 ein echtes 24h-Rennen geben würde.“

Seit Beginn an Markenzeichen: Die „24h-Hand“
Das Erkennungsmerkmal des 24h-Rennens war von Beginn an die schwarz-weiß-karrierte Hand, die eine Stoppuhr hält. 42 Jahre alt ist damit die Aufnahme, die bis heute das Erkennungszeichen des Rennens ist. Wenn auch Fahrzeugmarken, Fahrer- und Teamnamen kamen und gingen – dieses markante Detail der Rennens änderte sich nie und zierte praktisch durchgehend etwa die Plakate der Veranstaltung.

Chronik: Der Prolog zum 24h-Rennen

1965: Der MSC Langenfeld veranstaltet die erste „ADAC-12-Std.-Sonderprüfungsfahrt-Nürburgring“ für Sport- und Tourenwagen sowie GTs: 150 Teams melden sich an, die am Abend des 17. Juli um 20.00 Uhr gestartet werden. Zu absolvieren sind je vier Sprint- und Bergprüfungen auf verschiedenen Teilstücken der Nordschleife, die in unterschiedlichen Fahrtrichtungen zu absolvieren sind. Dazu kommt eine Gleichmäßigkeitsprüfung über 20 Runden, sodass in dieser Nacht 510 km in Wertung zurückgelegt werden. Der Start der Sonderprüfungen erfolgt um 4:00 Uhr und 5:30 Uhr, das Veranstaltungsende ist auf 7:00 Uhr am nächsten Morgen festgelegt.

1966 – 1969: Die Regeln des Premierenjahres werden bei verkürzter Distanz über¬nommen: 420 km sind zurückzulegen, die sich auf je vier Berg- und Sprint-Prüfungen sowie eine Gleichmäßigkeitsprüfung über 16 Runden über die Nordschleife verteilen. Der Start erfolgt jeweils um 21:00 Uhr. Die Starterzahlen sinken im Laufe der Jahre etwas – auch, weil es ab 1967 eine hausgemachte Konkurrenz gibt. 1968 treten noch 109 Fahrzeuge an, 1969 noch 88, 1970 immerhin 107

1967: Durch die Resonanz auf seine 12-Stunden-Sonderprüfung beflügelt, hat der MSC Langenfeld beschlossen, eine zusätzliche Veranstaltung ins Leben zu rufen: Nach dem Muster der 12-Stunden-Prüfung geht es am 24. und 25. Juni zu einer „Dauer- und Leistungsprüfung“ über 24 Stunden für Tourenwagen und GTs. Zunächst ist die Veranstaltung noch als „Test“ ausgeschrieben, doch schon im folgenden Jahr wird eine vollwertig „Rallye“ auf der Nordschleife absolviert.

1969: Bei der Siegerehrung der 24-Stunden-Prüfung verkünden die Verantwortlichen von ADAC Nordrhein und MSC Langenfeld, dass es ab dem Jahr 1970 ein „echtes“ 24h-Rennen geben wird. Die Tradition der Sonderprüfungsfahrten lebt noch bis 1971 weiter, danach konzentrieren sich die Beteiligten auf das bis heute bestehende 24h-Rennen.