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Am 27. Juni 1970 wurde das erste 24h-Rennen gestartet, mit dem die Organisa¬toren an die Tradition der in den Vorjahren auf dem Nürburgring ausgetragenen Langstreckenprüfungen über 12 und 24 Stunden anknüpften. Doch entgegen des bis dato üblichen Rallyecharakters war jetzt klar, dass hier ein ganz neues Event aus der Taufe gehoben wurde. Analog zu den Klassikern von Le Mans und Spa-Francorchamps sollte auch in der „Grünen Hölle“ ein Mal im Jahr die Nacht zum Tag werden, sollte es 24 Stunden ohne Unterbrechung um Sekt oder Selters gehen.

Die Stars der ersten Jahre fuhren allesamt BMW. Den historischen Premierensieg 1970 konnten sich „Striezel“ Stuck und Clemens Schicketanz (BMW 2002) sichern. In den folgenden drei Jahren gewann Alpina-BMW. Georg Prankl holte die Siege 1971 und ’72, zunächst mit Ferfried von Hohenzollern (ebenfalls im BMW 2002), ein Jahr später mit Helmut Kelleners. 1973 waren es Niki Lauda / Hans-Peter Joisten, die im BMW 3,0 CSL siegten. Dennoch: die Konkurrenten – namentlich auf Ford – waren alles andere als untätig. Erstmals erschien mit der Zulassung von GTs 1973 außerdem die Marke Porsche auf der Ergebnisliste. Trotz ihrer Attraktivität hatte es die Veranstaltung in diesen ersten Jahren nicht ganz leicht, sich zu etablieren – die Ölkrise führte deshalb 1974 / 75 zu einer Zwangspause, die auch zu einer Überarbeitung des Konzeptes führte.

Chronik: Die Anfangsjahre 1970 – 1973

1970: Mit 96 Teams – mehr dürfen in dieser Zeit nicht auf der Nordschleife starten – ist das Starterfeld bei der Premiere des 24h-Rennens bis auf den letzten Platz ausgebucht. An Start und Ziel lockt zudem ein „Lunapark“ mit Auto-Scooter, Schießhallen und Box-Show und im Sporthotel Tribüne rockt „Rolf von Radio RTL“ mit der mobilen Funkdisco. Für Fans wird also viel geboten – aber auch für die Starter: 55.000 DM Preisgeld (rund 28.000 Euro) sind in den sieben Klassen ausgelobt. Nach 123 Runden siegen Hans-Joachim Stuck / Clemens Schickentanz im Koepchen-BMW 2002 mit zwei Runden Vorsprung vor Nicolas Koob / Hans-Werner Brohl im Eifelland-BMW. Insgesamt werden neun der zehn ersten Plätze von BMW belegt.

1971: Ferfried Prinz von Hohenzollern und Gerold Pankl liefern sich im kleinen, leichten Alpina-BMW 2002 einen spannenden Dreikampf mit den beiden BMW 2800 CS von Rüdiger Faltz / Hans-Jürgen Schulte-Oversohl und Karl-Heinz Eisenschenk / Hans-Günther Stoffel sr. aus der Klasse über 2500 ccm. Alle legen 125 Runden zurück, wobei am Ende das Alpina-Duo mit 1.12,75 Minuten die Nase vor dem Faltz-BMW vorn hat.

1972: An der Spitze wird die Luft für BMW dünner: Ford schickt gleich mehrere Capri RS 2600 ins Rennen. Mercedes-Benz ist durch den Tuner AMG erstmals mit dem 300 SEL 6.3 vertreten: Der legendäre Renner wird von den Fans „Rote Sau“ getauft und bildet eine Keimzelle der überaus erfolgreichen Kombination von AMG und Mercedes-Benz im Rennsport. Allerdings ist am Ring vorzeitig Schluss: Ein Differenzialschaden stoppt Hans Heyer / Thomas Betzler. Mit 145 Runden legen die Gesamtsieger Helmut Kelleners und Gerold Pankl im Alpina-BMW satte 20 Runden mehr zurück als die Sieger des Vorjahres. Dieser Distanzrekord wird bis 1987 bestehen bleiben. Zweite werden mit einer Runde Rückstand Klaus Fritzinger / Hans-Joachim Stuck im Ford Capri RS.

1973: Die 24h-Distanz wird in drei Abschnitte unterteilt. Um 17 Uhr wird das Rennen für acht Stunden freigegeben, ab ein Uhr in der Nacht folgt eine achtstündige Pause, deren erste 90 Minuten für Reparaturen genutzt werden dürfen. Um neun Uhr am Morgen startet der zweite Teil des Rennens. Die beiden BMW 3,0 CSL des Jägermeister-Alpina-Teams feiern einen Doppelsieg: Niki Lauda / Hans-Peter Joisten gewinnen mit einer Runde Vorsprung vor Brian Muir / Han Akersloot. Mit sechs Runden Rückstand werden Hans Heyer / Klaus Fritzinger im werksseitig eingesetzten Ford Capri RS 2600 Dritte. Erstmals sind auch GT-Fahrzeuge am Start, der beste Porsche wird Neunter.

1974 und 1975: Zwei Jahre lang werden keine 24h-Rennen veranstaltet. Der Hauptgrund ist die Ölkrise, doch auch die hohen Kosten für Werbung, Showprogramm und Preis¬gelder, die nicht durch Zuschauereinnahmen zu finanzieren sind, zwingen zu einem Überdenken des Konzepts.