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Für das fünfte 24h-Rennen im Jahr 1976 wurde das ganze Konzept überarbeitet: Preiswerter, kleiner, trotzdem attraktiv für Fahrer und Fans sollte es werden. Damit war die Zeit der großen Werkseinsätze vorerst vorbei. Privatteams bestimmten in den nächsten Jahren das Geschehen. Doch der Erfolg gab den Organisatoren recht. 1976 starte mit 91 Teilnehmern das kleinste Feld der 24h-Geschichte, schon in den folgenden Jahren waren es jeweils rund 20 Starter mehr.

Die bestimmenden Piloten Mitte der 70er Jahr waren Herbert Hechler und Fritz Müller. Gemeinsam mit wechselnden Teamkameraden siegten sie drei Mal in Folge auf Porsche. Dass ihr Carrera im Jahr 1978 mit Werks-Motor ausgestattet war, zeigt: Der Trend zumindest an der Spitze des Feldes ging bereits wieder in Richtung Profirennsport. Gleichzeitig waren die Privatfahrer – wie noch heute – das Salz in der Suppe. Nur durch sie konnten die Fans jedes Jahr aufs Neue ein volles Feld genießen. Das förderten die Organisatoren gezielt – so gab es im Rennen zwischen 1976 und 1981 eine Renault-5-Cup-Klasse. Ebenso richtungweisend: Der erste Einsatz eines Dieselfahrzeugs beim 24h-Rennen im Jahr 1978 – der Golf von Ilgner / Hofmann / Jürgen Hoffknecht erwies sich auf Anhieb als Zuverlässigkeitswunder.

Chronik: Neuorientierung 1976 – 1979

1976: Beim Neubeginn des 24h-Rennens nach zweijähriger Pause testen die Organisatoren ein neues Konzept. Mit ihm sollen die Kosten für die Teams, für Fans und auch für den Ausrichter gesenkt werden und dennoch ein attraktives Event geschaffen werden. So findet das Rennen zum ersten und einzigen Mal im September statt. Der Lunapark wird gestrichen, dafür haben die Fans freien Eintritt. Auch aus Lärmschutz-Gründen sind nur Serien-Tourenwagen der Gruppe 1 und Serien-GT der Gruppe 3 start¬berechtigt. Effekt: Im Gegensatz zu früheren Jahren machen jetzt nicht mehr werksnahe Teams die Pace, sondern es stehen ausschließlich Privatfahrer am Start. Nach 134 Runden bei sonnigem Wetter gibt es einen Porsche-Doppelsieg durch Fritz Müller / Herbert Hechler / Karl-Heinz Quirin vor Matthias Loerper / Kurt Beiss / Manfred de Viller.

1977: Trotz teilweise feuchter Strecke umrunden die Sieger Fritz Müller / Hechler mit 140 Runden den Eifelkurs sechsmal mehr als im Vorjahr. Um Rang zwei wird es kurz vor Schluss richtig spannend: Walter / Prinz / Partsch können sich wegen Motorproblemen an ihrem Porsche nur knapp vor Weisheidinger / Hackner / Sonntag im Opel Commodore GS/E halten. Gegen die starken Escorts kann sich in der Zweiliterklasse der Hähn-Alfa Romeo 2000 GTV von Chillotti / Mohr / Mohr durchsetzen und wird Gesamt-Vierter. Erstmals kommt kein BMW in die Top Ten.

1978: Ein Aufsehen erregendes Debüt: TM-Automobiltechnik bringt mit dem VW Golf D erstmals einen Diesel an den Start. Trotz der überschaubaren 65 PS Leistung schaffen es Jürgen Ilgner / Klaus Hofmann / Heinz-Jürgen Hoffknecht auf den 33. Gesamtrang im Rekordstarterfeld mit 113 Teilnehmern. Das Team hat kein einziges technisches Pro¬blem, dem Motor genügen gerade einmal 2,4 l Kraftstoff pro Runde. Und obwohl der 40-Liter-Serientank wegen aufschäumenden Kraftstoffs nur mit 30 l nachgefüllt werden kann, reicht dass immernoch für 2,5-Stunden-Stints. Die Handvoll Boxenstopps dauern alle unter einer Minute. Teamchef Horst von Gundlach spricht im Ziel visionäre Worte: „Lang¬streckenrennen sind ein lohnendes Einsatzgebiet für Dieselfahrzeuge. Dem sollten die Veranstalter und Bewerber in Zukunft Rechnung tragen.“ Fritz Müller / Herbert Hechler holen derweil den dritten Gesamtsieg in Folge. In ihren Porsche Carrera haben sie einen Werksmotor mit zwei Zündanlagen und Starfighter-Sicherungen eingebaut. Ihr Lohn: fünf Runden Vorsprung vor Helmut Döring / Hartmut Bauer / Manfred Mohr im KWS-Escort.

1979: Gordon Spice ist großer Mit-Favorit: In seinem Ford Capri hat er bereits in Spa gewonnen und wird als heißester Konkurrent der Martin-Brüder gehandelt. Doch Spice wird bereits nach einer Stunde von einem Reifenschaden gestoppt und fällt auf Rang 53 zurück. Die Ford Escort von Berkenkamp, Eichberg und KWS heizen um die Wette, als sei es ein Sprintrennen: Alle bekommen technische Probleme und fallen aus oder zurück. Herbert Kummle, Karl Mauer und Winfried Vogt fahren in ihrem von Armbrust getunten Ford Escort RS ein taktisch klügeres Rennen und gewinnen am Ende mit drei Runden Vorsprung vor dem Spice-Capri. Für internationales Flair sorgt das BFGoodrich-Team, das mit zwei American Motors Spirit AMX, einer Mannschaft von 35 Mann inklusive Film¬team und Hubschrauber anreist. Auch das Budget von 500.000 Dollar verleiht den leistungsstarken aber übergewichtigen und schwammigen Ami-Schlitten keine Flügel: Am Ende kommen sie auf ihren Straßenreifen auf die Gesamtränge 25 und 42.