Mitte der 80er erlebte das 24h-Rennen eine Fortsetzung des Aufwärtstrends: von 133 Startern im Jahr 1984 steigerte sich das Feld bis auf 180 Teilnehmer (1987). Dafür sorgte auch die Begeisterung für die Aktiven, die sich auf der Strecke ein munteres Hauen und Stechen lieferten: Werksteams von BMW, Ford und Opel lieferten sich Duelle mit hochkarätigen Privatiers. 1984 gab es den ersten BMW-Sieg seit 1973, und in den nächsten Jahren war weiß-blau am Ring unbezwingbar. Erst 1987 konterte Klaus Ludwig für Ford im Eggenberger-Sierra, ein Jahr später stand mit Porsche-Pilot Edgar Dören ein Privatteam ganz oben auf dem Podest. Angeheizt wurde das Geschehen auch, weil das 24h-Rennen bis 1988 zum Langstreckenpokal gewertet wurde, mit dem es bis heute noch eng verbunden ist.

Aus 1986 datiert auch das Geschehen rund um einen der größten Pechvögel der 24h-Historie, denn es gibt bis heute keinen Nicht- Gewerteten, der so viel Vorsprung auf den Klassensieger herausfahren konnte: Schauplatz war die Klasse G4, in der 16 Starter antraten: Karl-Rudolf Hamacher / Helmut Mallmann / Peter Fischer führten ab der vierten Stunde im VW Golf GTI fast durchgängig. 25 Minuten vor Schluss überquert der Golf mit fünf Runden Vorsprung die Start-Ziel-Linie. Fünf Minuten später bleibt der Golf im Adenauer Forst mit Getriebeschaden stehen. „Schlagartig hatte ich keinen Vortrieb mehr“, erzählt Hamacher. Der Unglückspilot und auch Zuschauer versuchen zu reparieren, aber es hilft nicht. Hamacher: „Wir hätten einen zweiten Golf als Teilespender im Fahrerlager stehen, aber die Zeit ist zu knapp. Bis um 16:20 Uhr muss man den Zielstrich überquert haben, um gewertet zu werden. Bei unserem Vorsprung hätte ich besser auf der Döttinger Höhe zuvor gewartet anstatt noch eine Runde zu drehen.“ Das VW-Golf-Duo Jochen Wassmund / Günther Heider erbt daher mit 111 zurückgelegten Runden den Klassensieg. Hamacher und seine Mitstreiter werden mit ihren 113 absolvierten Runden nicht klassiert. Bis heute gilt: Nur wer bei Rennende aus eigener Kraft die Ziellinie überquert, kann gewertet werden.

Chronik: Tollkühne Männer 1984 – 1988

1984: „Wer ist Bröhling?“ fragt Hans-Joachim Stuck nach dem Training verdutzt. Der „Lange“ hat im Schinken-BMW 635 die Pole markiert, nun steht neben ihm in der ersten Reihe Franz-Josef Bröhling senior mit dem Budde-635. Auf Position 3 folgt Olaf Manthey im Werks-Rover Vitesse, der im Rennen fünf Runden lang führen wird, ehe der Motor platzt. Trotz zwei Runden Vorsprung fliegt Harald Grohs um 5:10 Uhr an der Hohen Acht ab – das Ende für den BMW von Stuck / Quester / Grohs. Damit ist für das Budde-Team der Weg zum Doppelsieg frei: Axel Felder / Franz-Josef Bröhling sr. / Peter Oberndorfer gewinnen mit zwei Runden Vorsprung auf das Schwesterfahrzeug Axel Felder / Jochen Felder / Peter Faubel (BMW 528i). Und nun weiß auch „Striezel“ etwas mit dem Namen anzufangen …

1985: Es ist ein typisches 24h-Drama, das mitten in der Nacht das Budde-Coupé mit Axel Felder / Jürgen Hamelmann / Robert Walterscheid-Müller vom dritten auf den ersten Platz katapultiert: Um 1:30 Uhr stoppt ein kapitaler Motorschaden den führenden Capri des Ringhausen-Teams mit Döring / Gartmann / Niedzwiedz. Die an Platz zwei liegenden Schäfer / Strycek / Weber müssen am Mich-Manta 400 eine defekte Wasserpumpe reparieren: 60 Minuten Standzeit. Budde holt einen Doppelsieg, denn als zweite werden Axel Felder / Jochen Felder / Peter Faubel im Budde-BMW 528i abgewinkt. Der Mich-Manta kann sich immerhin als Dritter ins Ziel retten.

1986: Am Samstagabend läuft parallel das WM-Viertelfinale Mexico : Deutschland in Mexico City. Deutschland gewinnt nach Elfmeterschießen 4:1, ein Riesenfeuerwerk nach Spielende rund um die Nordschleife ist die Folge. Auch am Ring geht es hochdramatisch zu, mindestens ein Dutzend Mal wechselt die Führung. Den hoch favorisierten BMW M1 von Gall / Grohs / Becker verschrottet Harald Grohs nach 17 Stunden im Metzgesfeld. Auto Budde verliert drei Autos, gewinnt dafür aber mit dem vierten: Markus Oestreich / Otto Rensing / Winfried Vogt pilotieren den BMW 325i, der später als der „gelbe Dauer¬läufer“ bekannt wird. Hinter dem Hainbach-Manta 400 von Jockel Winkelhock / Norbert Haug / Karl Mauer landet auf Rang drei das Siegerauto von 1979: Der Ford Escort RS von Kummle / Schall / Teitscheid. Das 1979 siegreiche Trio (Vogt / Mauer / Kummle) belegt damit 1986 die Ränge eins bis drei. Auf den hervorragenden 13. Gesamtrang lenken Fred Koch / Gerd Hakenesch / Norbert Jülicher einen BMW 524 Turbo-Diesel.

1987: Nur ein Werks-Ford Sierra Cosworth kann den vierten Sieg für Auto Budde in Folge verhindern: Klaus Niedzwiedz / Klaus Ludwig / Steve Soper fahren bei teilweise sintflutartigen Regenfällen einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg heraus. Im „gelben Dauerläufer“ werden Axel Felder, Franz-Josef Bröhling und Volker Strycek Zweite.

1988: Die Privatfahrer blamieren diesmal die Werksteams: Die zusammengerechnet 165 Jahre alten Gentlemandriver Edgar Dören / Gerhard Holup / Peter Faubel gewinnen im 13 Jahre alten Porsche RSR und knacken nebenbei noch mit 3.549 km endlich den seit 1972 bestehenden Distanzrekord. Ein weiterer RSR von Horst Derkum wird Zweiter, es folgen zwei ebenfalls nicht mehr ganz frische Opel Manta 400 von Hainbach und Mich. Schon zur Halbzeit ist dafür kein Werks-BMW M3 mehr dabei: Motorschäden, Unfälle, gebrochene Kardanwellen plagen die Bayern. Die Werks-Ford Sierra scheitern an Motorschäden. 1988 markiert gleich dreifach das Ende einer Ära: Zum letzten Mal zählt das 24h-Rennen zum Langstreckenpokal, die Gruppe H ist zum letzten Mal zum Start zugelassen und das Erfolgsmodell Ford Escort RS aus der MkII-Baureihe gibt seine Abschiedsvorstellung.