Das 24h-Rennen hatte sich in den 90er Jahren fest etabliert und wuchs jedes Jahr weiter. Schon 1989 wurde erstmals die Marke von 100.000 Zuschauern erreicht – nicht zuletzt auch deshalb, weil die DTM in diesen Jahren (und letztmalig 1993) im Rahmenprogramm zwei spektakuläre Läufe auf der Nordschleife austrug. 1990 gingen 250 Nennungen beim veranstaltenden ADAC Nordrhein ein – bei nur 180 Fahrzeugen, die im Rennen maximal starten durften: Auch bei Teams und Fahrern hatte die härteste Nordschleifen-Herausforderung mittlerweile einen legendären Ruf bekommen.

Wenn auch an der Spitze die Crème der deutschen und internationalen Piloten den Ton angab: Es waren damals wie heute die ungezählten Privatiers, die für den Herzschlag des Rennens sorgten. Gut aussortierte Privatmannschaften konnten auch immer wieder für Achtungserfolge sorgen. Die Organisatoren förderten die möglichst große Vielfalt – so zählte das Rennen etwa zwischen 1990 und 1992 auch zum Ford-Fiesta-Mixed-Cup. Zu diesen Privatiers zählte auch der Kölner Volksschauspieler Peter Millowitsch, der 1992 mit dem „Team for Kölle“ an den Start ging. Bei der Pressekonferenz war sogar Vater Willi zugegen und setzte sich für Fotos ans Steuer des Ford Escort Cosworth. Allerdings hatte das 83-jährige Theater-Urgestein anschließend Probleme, aus dem engen Cockpit wieder herauszukommen. Erst als das Lenkrad demontiert war, konnte er befreit werden.

Chronik: Boomjahre 1989 – 1993

1989: Erstmals sind über 100.000 Zuschauer beim 24h-Rennen am Ring, die den ersten Sieg des Schnitzer-Teams sehen: Emanuele Pirro / Roberto Ravaglia / Fabien Giroix markieren im M3 mit 143 Runden einen neuen Distanzrekord. Endlich gibt es auch ein Erfolgserlebnis für Harald Grohs: Er fährt mit Altfrid Heger und Olaf Manthey im Linder-M3 den zweiten Platz ein vor Brancatelli / Ferté / Lindström auf dem besten Ford von Eggenberger. Hinter dem Viertplatzierten Faltz-BMW M3 läuft einmal mehr der „gelbe Dauerläufer“ ein – er schafft diesmal sogar sechs Runden mehr als beim Sieg 1986.

1990: Schon das Qualifying wird zu einer brutalen Auslese, denn von 250 Nennungen werden 220 angenommen, doch nur 180 Fahrzeuge dürfen schließlich im Rennen starten. Die beiden Eggenberger-Sierra erobern die erste Startreihe, nach 3,5 Stunden ist für das Werksteam aber Feierabend. Um den Sieg fighten nun vier BMW M3: Die beiden von Schnitzer eingesetzten Fahrzeuge scheiden jedoch mit Motorschäden aus, sodass der Weg frei ist für die Mannschaft von Luggi Linder: Heger / Winkelhock / Schmickler laufen vor ihren Teamkollegen Nissen / Haug / Martin / Lohr im Ziel ein. Ellen Lohr ist damit die erste Frau, die es auf das Siegerpodest des 24h-Rennens schafft.

1991: Bernd Schneider (Formel-1-Pilot 1988 – 1989, Porsche-Cup-Gewinner 1990) kommt als Pilot des favorisierten Werks-Ford Sierra Cosworth mit der Startnummer 1 an den Ring. Doch bereits in der ersten Trainingsrunde überschlägt sich Schneider im Abschnitt Ex-Mühle. Ohne Trainingszeit und mit Sondergenehmigung der Rennleitung darf er mit Manuel Reuter / Michael Bartels / Francois Delecour aus der letzten Startreihe ins Rennen gehen. Doch so richtig laufen will der „Cossie“ nicht mehr: Nach 28 Runden ist Feierabend. Ganz vorne landen Joachim Winkelhock / Kris Nissen / Armin Hahne den zweiten Sieg für Schnitzer-BMW vor drei seriennahen Porsche 911 Carrera 2.

1992: Das Rennen muss nachts wegen starken Nebels zunächst durch eine Safety-Car-Phase gebremst und dann vollständig gestoppt werden – es ist die erste Unterbrechung seit 1973. Während der Safety-Car-Phase holt sich Joachim „Jockel“ Winkelhock mehrfach bei Streckenposten eine Zigarette. Nach dem Restart siegt schließlich der M3 des Warthofer-BMW-Teams mit Johnny Cecotto / Christian Danner / Jean-Michel Martin / Marc Duez vor Schnitzer-BMW. Sehr zur Freude der vielen Opel-Fans entlang der Strecke kommen Klaus-Peter Thaler / Volker Strycek / Günther Schmidt im Opel Omega 3000 auf den vierten Platz.

1993: Favoriten haben es schwer beim 24h-Rennen – auch in diesem Jahr: Kurz nach Beginn des dritten Renndrittels fallen Röhrl / Grohs / von Gartzen / Alzen mit einem Motorschaden an ihrem Porsche aus. Sie liegen zu diesem Zeitpunkt mit drei Runden in Führung. Dennoch herrscht nach dem Zieleinlauf Freude im Porsche-Lager, denn für die Zuffenhauser Modelle gibt es einen Vierfachsieg vor zwei Opel Omega. Die beiden 911er von Konrad Motorsport und Dören-Freisinger-Motorsport trennen im Ziel nur 53,20 Sekunden – der knappste Einlauf in der Geschichte des 24h-Rennens.