Kurz vor der Jahrtausendwende schafften es die Organisatoren des 24h-Rennens, der Veranstaltung einen mächtigen Impuls zu geben. In den folgenden Jahren wuchs das Event wieder zu alter Größe – und weiter in neue Dimensionen. Ange¬stoßen wurde die Entwicklung von der Einführung der Klasse „24 Stunden Spezial“, die den Start praktisch jedes Fahrzeuges ermöglichen sollte. Für Fairness und vergleichbare Rundenzeiten und Leistungsdaten sollte mit Vorschriften etwa zur Reifendimension oder zum Tankinhalt gesorgt werden. Es gelang anfangs noch nicht perfekt – die Viper des Zakspeed-Teams siegte ein ums andere Mal und beherrschte jahrelang das Geschehen. Doch den Start in die neue Ära markierte ein völlig anderes Konzept: 1998 gab es dank des neuen Reglements am Nürburgring den ersten Diesel-Gesamtsieg weltweit.

„Es muß alles fahren dürfen, was vier Räder hat“, hatte Orgaleiter Peter Geishecker zur Einführung der Klasse „24 Stunden Spezial“ verkündet – und dieser Aufforderung folgten die Teams in Scharen. Die Starterzahlen stiegen kontinuierlich an: 153 Teams waren es 1998, ein Jahr später wurde bereits die Marke von 200 Fahrzeugen überschritten. Neben kuriosen Exoten entdeckten auch werksnahe Teams das Rennen wieder und präsentierten sich mit hoch interessanten Projekten. Warthofer-BMW siegte mit einem Diesel-320er im Jahr 1998. Ein Jahr später feierte Abt mit einem erdgasbetriebenen Audi A4 eine Premiere, die allerdings nach 62 Runden endete. Doch nicht nur Spitzensport¬einsätze weckten die Aufmerksamkeit: Opel setzte 1999 einen Promi-Astra ein, in dem unter anderem Eisschnelläuferin Gunda Niemann-Stirnemann ins Volant griff. Bei einem Boxenstopp nach abtrocknender Strecke nachts wurde sie interviewt und sprach die (mittlerweile legendären) Worte: „Wir haben soeben von Regenreifen auf Slips gewechselt.“ Zum ersten Mal fand 2002 am Donnerstag vor dem Rennen in Zusammen¬arbeit mit dem Gewerbeverein und der Verbandsgemeinde Adenau der Racing Day statt. Konzipiert als Stadtfest für die ganze Familie verwandelte sich das Zentrum der Stadt am Ring in eine kleine Nordschleife. Live-Musik, Interviews, Merchandisingstände, Catering, Korso und Beschleunigungswettbwerb mit Teilnehmerfahrzeugen sorgten für Riesenstimmung und eine schöne Auftaktparty.

Chronik: Im Zeichen der Schlange 1998 – 2002

1998: Die Überarbeitung des Konzepts des 24h-Rennens ist ein Erfolg: 153 Teams, 20 mehr als im Vorjahr, gehen an den Start. Mit der Masse kommt auch mehr Klasse. Marc Duez / Andreas Bovensiepen / Christian Menzel / Hans-Joachim Stuck fahren im BMW 302d des Teams von Günter Warthofer den ersten Diesel-Gesamtsieg bei einem 24h-Rennen weltweit ein.

1999: An der Spitze des Feldes hat die hoch überlegene Zakspeed-Viper alles im Griff: Mit Rundenzeiten, die 40 Sekunden schneller sind als die der Verfolger, siegen Hans Jürgen Tiemann / Peter Zakowski / Klaus Ludwig / Marc Duez im Schongang.

2000: Die „offene Gesellschaft“ treibt zuweilen kuriose Blüten – so gehen Dose / Linder / Thierfelder / Wiechel in einem Renn-VW-Bus an den Start. Ihre VW T4 Caravelle liegt am Ende auf dem sechsten Platz der Dieselklasse – und rangiert im Gesamtklassement vor dem einzigen Ferrari im Rennen. Pech für die beiden Werks-Honda: Innerhalb weniger Minuten kurz nach Mitternacht verschrotten Vanina Ickx und Ingvar Carlsson die beiden S2000 an exakt derselben Leitplanke in Aremberg. An der Spitze erweist sich der Phoenix-Porsche von Bernd Mayländer / Michael Bartels / Uwe Alzen / Altfrid Heger als Schlangenbeschwörer und dreht eine Runde mehr als die Zakspeed-Viper mit Peter Zakowski / Patrick Huismann / Anthony Beltoise. Dem mächtigen 1,6-Tonnen-Rennwagen nutzen auch seine rund 900 PS diesmal nichts.

2001: Die Entscheidung im Kampf um den Gesamtsieg fällt rund vier Stunden vor Schluss, als der in Führung liegende Christian Menzel mit seinem Phoenix-Porsche im Bereich Hatzenbach abfliegt: Nachdem zuvor bereits Abt / Bernhard / von Gartzen / von Saurma den zweiten siegfähigen Porsche abstellen mussten, kann niemand mehr die Zakspeed-Viper stoppen. Die Sieger Peter Zakowski / Michael Bartels / Pedro Lamy stellen mit 147 Runden einen neuen Distanzrekord auf.

2002: 151.000 Zuschauer säumen die Grüne Hölle und sehen den dritten Viper-Sieg innerhalb von vier Jahren. Ein Problem mit der Servolenkung wirft den Alzen-Porsche von Jürgen Alzen / Arno Klasen / Markus Oestreich / Timo Bernhard schon in der Startrunde zurück, doch die vier kämpfen sich tapfer wieder bis auf Rang zwei vor. Die Zakspeed-Viper mit Peter Zakowski / Pedro Lamy / Robert Lechner kann derweil bis zu 20 Sekunden pro Runde schneller fahren als der Rest des Feldes und kontrolliert das Geschehen vom ersten Meter an.