In den Jahren nach der Jahrtausendwende erlebte das 24h-Rennen einen wahren Boom. Die Werksteams von BMW und Opel, mit Werksfahrern besetzte hoch¬karätige Kundenautos von Audi und Porsche: Das Starterfeld wurde mehr und mehr zum „Who is who“ der deutschen (und internationalen) Motorsport-Stars. Sie wurden geradezu magisch angezogen von der legendären Rennstrecke, den Hunderttausenden Zuschauern, der einmaligen Mischung von Hightech und Grillfeuern. Opel und zwei Mal BMW siegten 2003 bis 2005, bis die Stunde eines Mannes schlug, der lange auf den Triumph warten musste: Olaf Manthey, inzwischen zum Teamchef seines exzellent aufgestellten Porsche-Teams gereift, holte zwischen 2006 und 2009 gleich vier Gesamtsiege in Folge und setzte damit eine neue Rekordmarke beim 24h-Rennen. „So alt kann ich gar nicht mehr werden, um das noch zu toppen“, grinste der Schnauzbartträger nach dem vierten Triumph.

Überhaupt entwickelte sich das 24h-Rennen zu einem Rennen der Superlative. Selbst ein Star wie der amerikanische BMW-Werksfahrer Boris Said, der aus seiner Heimat wahrlich einiges an Superlativen gewöhnt war, musste zugeben, dass er so etwas noch nicht erlebt hatte: Regelmäßig starteten mehr als 200 Fahrzeuge vor 200.000 und mehr Zuschauern. Das größte Starterfeld der 24h-Historie wurde 2007 verzeichnet: 224 Fahrzeuge gingen da an den Start. Und immer schneller wurde das Rennen ebenfalls. Die alte Bestmarke fiel beim ersten Manthey-Sieg 2006, als der Porsche der Sieger 3.832,08 km zurücklegte. 2009 legte die Mannschaft des Bonner Teamchefs noch einmal nach und verbesserte den Rekord gleich mal um 101 Kilometer: 3.933,59 km waren am Schluss zurückgelegt worden.

Chronik: Mantheys Marathon-Men 2003 – 2009

2003: Opel feiert mit dem Astra V8 von Manuel Reuter / Timo Scheider / Marcel Tiemann / Volker Strycek den ersten Gesamtsieg in der Eifel. Mit Rang zwei erreicht Audi ebenfalls sein bislang bestes Ergebnis: Karl Wendlinger / Christian Abt / Kris Nissen / Marco Werner teilen sich den Abt-TT-R. Christian Abt schafft dabei übrigens das Kunststück, in einer Runde gleich zweimal in den Leitplanken zu landen. Teamchef Olaf Manthey freut sich über seine erste Podiumsplatzierung mit dem Porsche 996 Turbo. Zwei Werks-BMW M3 werden schon in der Startrunde lahmgelegt: Um die Ölleitungen vor Überhitzung zu schützen, werden Sie vom Team mit Trockeneis gekühlt. Doch bei der Parade in langsa¬mer Fahrt rund um die Nordschleife geht es gemächlicher zu als die Ingenieure es vor¬stellten. Die Leitungen frieren ein, das Rennen ist schon vor den ersten Metern verloren.

2004: 220 Autos und 220.000 Zuschauer: Schon vor dem Start des Rennens werden rekordverdächtige Werte erreicht. Das Wetter sorgt für einen permanenten Reifenpoker, ein Auszug aus dem Wetterreport vom Pflanzgarten: 14:55 h: Es beginnt zu regnen. 15:10 h: Die Sonne scheint. 16:24 h: Regen. 16:45 h: Sonne. 16:59 h: Regen. 17:13 h: Sonne. 18:01 h: Regen. 18:46 h: Sonne. 19:45 h: Regen. 20:35 h: Hört auf. 0:10 h: Wieder Regen. Und so geht es weiter. Diesmal macht das BMW-Werksteam alles richtig und fährt einen Doppelsieg für den BMW M3 GTR nach Hause. Am Steuer des Sieger¬autos: Dirk Müller / Jörg Müller / Hans-Joachim Stuck / Pedro Lamy. Manthey Racing holt erneut Rang drei, Platz vier geht an Audi vor dem Falken-Nissan.

2005: Das Wetter vom Vorjahr wird nochmal getoppt: Es gibt viel Regen, etwas Hagel, sogar ein wenig Schneetreiben und Temperaturen um den Gefrierpunkt mit überfrierender Nässe in der Nacht, aber auch Sonnenschein. BMW feiert erneut einen Doppelsieg, es ist der vierte insgesamt für Schnitzer – ein neuer Nürburgring-Rekord. Apropos Rekord: Für die Kontinuität auch des technischen Reglements spricht, dass in diesem Jahr ein Fahrzeug zum elften (und letzten) Mal teilnehmen kann: Der Audi 200 Quattro von Kohlhaas / Riebensahm / Gerhard wurde zum ersten Mal 1990 eingesetzt, nun beendet er seine Rennkariere. Das Debüt 15 Jahre zuvor endete für Bergmeister / Kuhlendahl / Trint übrigens nach 83 Runden in der 17. Stunde. Beim letzten Rennen schafft man 22 Stunden, aber nur 37 Runden.

2006: Was lange fährt, wird endlich gut: Bei der 34. Auflage kann sich Olaf Manthey in seinem 25. Anlauf als Fahrer beziehungsweise Teamchef endlich in die 24h-Siegerliste eintragen. Wie ein Uhrwerk läuft sein Porsche 911 GT3 und stellt bei Kaiserwetter mit 3.832,08 Kilometern einen eindrucksvollen Distanzrekord auf. Die Piloten Lucas Luhr / Timo Bernhard / Mike Rockenfeller / Marcel Tiemann haben dabei immer den Alzen-Porsche im Nacken, der mit nur einer Runde Rückstand abgewinkt wird.

2007: Olaf und Renate Manthey haben gleich doppelten Grund zu Freude: Silberhochzeit am Samstag, zweiter Sieg in Folge am Sonntag. Timo Bernhard / Marc Lieb / Romain Dumas / Marcel Tiemann haben im Porsche 997 GT3-RSR am Ende eines turbulenten Rennens eine Runde Vorsprung auf die Zakspeed-Viper. Unwetterartige Regenfälle, die unmittelbar vor dem planmäßigen Beginn der Einführungsrunde über dem Nürburgring einsetzen, sorgen für eine zweistündige Startverzögerung. Um 3:54 Uhr erfolgt eine Unterbrechnung mit der roten Flagge wegen dichten Nebels. Der Re-Start wird um 9:38 Uhr bei herrlichem Sonnenschein freigegeben, ehe um 12:30 Uhr ein Gewitter das Klassement erneut kräftig durcheinander wirbelt.

2008: Unglaubliche 17 Mal wechselt die Gesamtführung in den ersten 12,5 Stunden. Erst mitten in der Nacht um 3:33 Uhr übernimmt der Manthey-Porsche 911 GT3-RSR die Spitze und gibt sie bis zum Ziel nicht mehr ab. Timo Bernhard / Marc Lieb / Romain Dumas / Marcel Tiemann wiederholen damit ihren Vorjahreserfolg. Teamchef Manthey und die beiden Piloten Bernhard und Tiemann dürfen sich nach 25 erfolglosen Versuchen nun sogar über einen glatten Hattrick freuen. Dabei fing das Rennen mit einer Schreck¬sekunde an: Bereits in der Startrunde sorgt die lose Schelle eines Kühlwasserschlauches für unplanmäßige 16 Minuten Standzeit. Paris-Dakar-Gewinnerin Jutta Kleinschmidt feiert im BMW 330d ihren ersten Klassensieg.

2009: Vor 235.000 Zuschauern haben Timo Bernhard / Marc Lieb / Roman Dumas / Marcel Tiemann im Ziel eine Runde Vorsprung auf den Abt-Audi R8 LMS von Christian Abt / Jean-Francois Hemroulle / Pierre Kaffer / Lucas Luhr: Es ist der vierte Sieg für Manthey Racing in Folge – und der Erfolg wird der Mannschaft um den Bonner wahrlich nicht geschenkt! 23 Mal wechselt an der Spitze die Führung, viereinhalb Stunden vor Rennende liegen die ersten vier Fahrzeuge innerhalb von fünf Minuten. Dann fordert die Technik ihren Preis: Am bis dahin führenden Phoenix-Audi bricht ein Radlager, am zweiten Manthey-Porsche muss eine Antriebswellenmanschette erneuert werden. Mit einer Renndistanz von 3.933,59 Kilometern verbesserten die Sieger die alte Bestmarke aus dem Jahr 2006 um 101 Kilometer.