Das ADAC Zurich 24h-Rennen wuchs in den vergangenen Jahren zum größten Rennen der Welt. Nirgendwo sonst gehen mehr Fahrzeuge auf die Strecke, nirgends ist die Rennstrecke länger, nur wenige Veranstaltungen weltweit ziehen solche Zuschauermengen an. Es ist der Lohn jahrzehntelanger Arbeit und Weiterentwicklung und das Verdienst treuer Anhänger sowohl bei den Fans als auch bei den Aktiven, die dieses Event der Superlative zu dem machten, was es ist: eine einmalige Mischung aus prestigeträchtigem Kampf auf der Strecke und gigantischer Grillfete rund um den Kurs, eine Mischung aus individueller Spitzenleistung inmitten eines so bunten, vielfältigen Treibens, dass es Außenstehenden wie ein organisiertes Chaos vorkommt.

Und wenn auch der Anschein dafür spricht: Chaotisch kann (und darf) es nicht zugehen bei dieser Veranstaltung. Dafür sorgt eine Organisation, in der sich rund 2.000 Menschen vom Parkplatzeinweiser bis zum Rennleiter um geordnete Zeitpläne, Fairness und Sicherheit kümmern. Längst hat sich das Rennen eigene Abläufe geschaffen, um dem Massenansturm Herr zu werden. Schließlich ist allein schon das planmäßige Fahrer¬briefing vor dem Rennen eine Veranstaltung mit Hunderten Teilnehmern – Rennleiter Walter Hornung und seine Mannschaft weichen dafür in das große Pressezentrum des Nürburgrings aus und nutzen Dutzende Monitore, um die wichtige Sicherheits- und Verhaltensregeln noch einmal zu kommunizieren. Weltweit gibt es nichts vergleichbares. Ein anderes Beispiel sind die Intervention Cars: Wo auf anderen Rennstrecken eine Safetycar-Phase gestartet wird, ist dies auf der Nordschleife schon wegen der enormen Streckenlänge nicht möglich. Also gibt es schnelle Eingreiftruppen, die auf der Strecke eine „stationäre Safetycarphase“ einrichten – die Intervention-Teams sichern eine Unfallstelle ab, ermöglichen sichere Bergungs- und Reparaturmaßnahmen. Auch solche Details wurden in den Jahrzehnten seit 1970 erarbeitet und sind heute erfolgreich und routiniert im Einsatz – im Dienste der Sicherheit für Fans und Fahrer.

Chronik: Neuzeit seit 2010

2010: BMW vor Ferrari, Werksteam vor Gentlemen-Drivern: Der BMW M3 von Jörg Müller / Augusto Farfus / Uwe Alzen / Pedro Lamy läuft im Ziel gerade einmal 3.54,191 Minuten vor dem Farnbacher-Ferrari ein: das drittknappste Ergebnis aller Zeiten beim 24h-Rennen. Zudem verpasst die Schnitzer-Mannschaft die Einstellung des Distanzrekordes um nur eine Runde. Lamy und Schnitzer holen damit jeweils ihren fünften Sieg und stellen damit eine neue Rekordmarke auf. Zuvor hat ein horrendes Tempo an der Spitze für eine regelrechte Ausfallorgie unter den Sieganwärtern gesorgt. Sowohl die favorisierten Porsche- als auch Audi-Teams mussten nach technischen Defekten oder Unfällen nahezu ausnahmslos die Segel streichen. Bis zwei Stunden vor Schluss liegt noch eine Sensation in der Luft, denn ein Porsche GT3-R mit Hybridantrieb liegt auf Siegkurs. Doch ein Motorschaden vereitelt auch bei diesem Fahrzeug den Triumph.

2011: Es ist ein Rennen der Rekorde vor Rekordkulisse: 250.000 Zuschauern verfolgen das Wochenende und den Kampf der Werks- und werksnahen Teams von Audi, BMW, Ferrari, Mercedes, Porsche und Volkswagen. Am Ende hat zum fünften Mal Olaf Manthey die Nase vorn: Sein Porsche 911 mit den Piloten Marc Lieb / Lucas Luhr / Romain Dumas / Timo Bernhard kann mit der richtigen Mischung aus Strategie, Tempo und Glück siegen, nachdem insgesamt 13 Mal die Führung gewechselt hat. Manthey Racing stellt mit 3958,968 Kilometern (= 156 Runden) einen neuen Distanzrekord auf. Auf dem Podium landen mit Porsche, BMW und Audi Fahrzeuge aus drei verschiedenen Klassen.

2012: Die 40. Auflage des 24h-Rennens ist des Jubiläums würdig: Spannender Sport und vollbesetzte Zuschauerränge machen das Wochenende zu einem Motorsportfest, das mit dem ersten Audi-Sieg für das Audi Sport Team Phoenix endet. Zum Schluss liegt der Audi R8 LMS ultra von Marc Basseng / Christopher Haase / Frank Stippler / Markus Winkelhock vor den Markenkollegen von Mamerow. Nach einem hochdramatischen Finale kann sich der Mercedes-Benz SLS AMG GT3 des Hankook-Teams Heico erst auf den letzten Rennkilometern gegen den Wochenspiegel-Porsche 911 GT3 R durchsetzen. Während der Heico-SLS knapp vor dem Erreichen der 24h-Frist ein letztes Mal die Ziellinie überquert und zur letzten Runde durchstartet, rollt der 911er ohne Treibstoff aus, nachdem er sich mit dem SLS zuvor in einem Windschattenduell auf der Nordschleife geliefert hatte.

2013: Im kürzesten 24h-Rennen der Geschichte – das Siegerteam legt in den vierzehneinhalb Stunden Fahrzeit 88 Runden zurück – gewinnt zum ersten Mal ein Mercedes-Benz-Team. Die Besucher erleben am Pfingstwochenende eine abwechslungs- und actionreiche Hatz, die am späten Sonntagabend unsanft unterbrochen wird: Starke Regenfälle und Nebelbänke sorgen für eine neuneinhalbstündige Zwangspause. Nach dem Restart am Montagmorgen können sich DTM-Rekordchampion Bernd Schneider, Jeroen Bleekemolen, Sean Edwards und Nicki Thiim im Mercedes-Benz SLS AMG GT3 von Black Falcon durchsetzen. Der zweite Platz geht an den BMW Z4 GT3 von BMW Sports Trophy Team Marc VDS, der sich noch in der vorletzten Runde an zwei Mercedes-Benz SLS AMG GT3 von ROWE Racing vorbeischiebt.

2014: Das Team Phoenix Racing feiert den zweiten Audi-Sieg und zugleich den vierten Triumph für die Mannschaft aus Meuspath. Christopher Haase / Christian Mamerow / Rene Rast / Markus Winkelhock gewinnen vor dem Mercedes-Benz SLS AMG GT3 von Vorjahressieger Black Falcon. Dabei stellt das Sieger-Quartett mit 159 Runden und insgesamt 4.035,102 Kilometer einen neuen Distanzrekord auf. Das Siegerpodium komplettieren Michael Zehe / Christian Hohenadel / Nico Bastian / Maro Engel im AMG-Flügeltürer von ROWE Racing. Mit Audi, Aston Martin, BMW, Mercedes-Benz und Porsche liegen fünf Marken innerhalb der ersten sechs Plätze.

2015: Der (bis dahin) knappste Zieleinlauf der Geschichte und drei Marken auf dem Podium – 2015 servierte den 200.000 Besuchern ein extrem spannendes 24h-Rennen. Die Sieger hießen am Ende Christopher Mies, Edward Sandström, Nico Müller und Laurens Vanthoor (Audi R8 LMS, Audi Sport Team WRT). Es war Mies, der nach 156 Runden die Ziellinie mit einem Vorsprung von 40,729 Sekunden auf den zweitplatzierten Maxime Martin im BMW Z4 GT3 des BMW Sports Trophy Team Marc VDS über die Ziellinie fuhr. Platz drei feierten Peter Dumbreck, Wolf Henzler, Martin Ragginger und Alexandre Imperatori im Porsche 911 GT3 R von Falken Motorsports. Die Leistungsdichte im Feld war dabei riesengroß. Zwischenzeitlich lagen Sportwagen von sieben unterschiedlichen Herstellern in den Top 10. Die Führung wechselte im Verlauf des Rennens 35 Mal – auch dies eine neue Rekordmarke. Am Ende lagen die Teams mit dem größten Durchhaltevermögen auf den Podesträngen. Sie hatten über die gesamte Dauer des Rennens schnellen Rundenzeiten mit problemlosen Stints kombinieren können, während viele Favoriten vorzeitig die Segel streichen mussten.

2016: Es in mehrfacher Hinsicht denkwürdiges 24h-Rennen endete mit einem Vierfach-Triumph für Mercedes-AMG. Nach einem Herzschlag-Finale wurde am Ende das AMG-Team Black Falcon mit Bernd Schneider, Maro Engel, Adam Christodoulou und Manuel Metzger als erstes abgewinkt – mit gerade einmal 5,697 Sekunden Vorsprung. Nach 24 aufregenden Stunden führte das Siegerquartett eine Armada von gleich vier Mercedes-AMG GT3 an. In einem famosen Schluss-Spurt überholte Maro Engel erst in der letzten Runde den bis dahin führenden Christian Hohenadel im HTP-Mercedes-AMG GT3 mit einem harten Manöver auf der GP-Strecke und brachte dann den knappsten Sieg in der 24h-Geschichte nach Hause. In Erinnerung bleiben wird allen Fahrern und Fans aber auch das Unwetter am Samstag kurz nach dem Start. Sintflutartiger Regen und Hagel verwandelte die Rennstrecke innerhalb von Minuten in eine Rutschbahn und erzwang eine Unterbrechung. Trotz zahlreicher Zwischenfälle gab es keine Verletzten, doch es dauerte mehr als eine Stunde, bis alle auf der Strecke gestoppten Autos zurück in der Box waren. Erst nach drei Stunden wurde das Rennen wieder freigegeben.