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Bentley GT3: Im Luxusliner über die Nordschleife

Im hochkarätigen Starterfeld des ADAC Zurich 24h-Rennens findet der aufmerksame Beobachter so manchen Farbtupfer. Doch kaum einer zieht die Blicke der Fans entlang der Nürburgring-Nordschleife so auf sich, wie der knallgelb lackierte ABT Bentley Continental GT3, den Christian Mamerow mit seinen Fahrerkollegen pilotiert. Mit starken Leistungen in den bisherigen Saisonrennen auf der Nordschleife haben sie für Furore gesorgt.

Wenn sich die britische Nobelkarosse mit bulliger Optik und lautstarkem, dumpfen Grollen nähert, gerät jeder Motorsportbegeisterte ins Schwärmen. Das über 600 PS starke V8-Monster, das vom britischen Rallye-Experten Malcolm Wilson und seinem Team M-Sport entwickelt wurde, bereichert seit 2013 die weltweite GT-Szene und wird in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal vom Team ABT Sportsline beim Langstrecken-Klassiker in der Eifel eingesetzt. „Wir nehmen das ’Projekt-Nordschleife’ mit voller Konzentration und Respekt, aber auch mit großer Vorfreude in Angriff“, sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen Abt. Christian Mamerow (Waltrop), der das 24h-Rennen bereits 2014 im Phoenix-Audi gewinnen konnte, ist dieses Jahr neu im Fahrerkader der Mannschaft aus Kempten im Allgäu.

Professionelles Umfeld lockte den 24h-Sieger von 2014 an
„Nach einigen erfolgreichen Jahren mit Audi hat sich für mich das Angebot aufgetan, mit Bentley beim diesjährigen 24h-Rennen zu starten. Ich war auf der Suche nach einer professionellen Zusammenarbeit, und das war bei der Verbindung von Abt Sportsline und Bentley gegeben. Deshalb habe ich gesagt: ’Jawohl, da habe ich Lust drauf.’ Das ist eine neue Herausforderung für mich, die ich gerne annehme“, erläutert Christian Mamerow. „Für mich war ganz einfach wichtig, in einem professionellen Umfeld zu arbeiten, um so noch einmal die Möglichkeit zu haben, vielleicht das Rennen zu gewinnen“, betont der 32-Jährige. „Und diese Sieg-Chance hat man nur, wenn man mit einer werksunterstützten Mannschaft an den Start geht“, ist sich Mamerow sicher. Die Umstellung vom Audi R8 LMS auf den rechtsgesteuerten Bentley Continental GT3 war eine besondere Herausforderung für den Waltroper Profi-Rennfahrer. „Für mich war es natürlich auch spannend zu sehen, wie schnell ich mich umstellen kann“, verrät Mamerow. „Und ich muss sagen, dass ich mich schon nach kurzer Zeit im Auto wohlgefühlt habe. Natürlich hatte ich in den ersten Runden Probleme, im rechtsgesteuerten Bentley Linkskurven richtig einzuschätzen, und habe deshalb nicht nur mehrmals die Curbs getroffen, sondern auch einige Male die Grasnarbe geküsst.“

Mamerow über Abt: „Professionell und akribisch“
Dank des über 600 PS starken vier Liter V8-Bi-Turbo-Motors hat der britische Luxusliner einen enormen Vortrieb. „Die Leistungsentfaltung durch den Turbo ist gewaltig“, sagt Mamerow. Aufgrund seiner großen Stirnfläche hat der Bentley allerdings Nachteile in Punkto Endgeschwindigkeit. „Auch in langsamen, kurvigen Passagen tut sich unser Auto im Umlenkverhalten etwas schwer“, sagt Mamerow. „Trotzdem war ich sehr überrascht, wie gut sich der Bentley dennoch fahren lässt“. Der Schlüssel zum Erfolg liegt aber auch in der langjährigen Erfahrung und in der Struktur des Abt-Teams, glaubt Mamerow. „Dort wird in allen Belangen unheimlich professionell und akribisch auf höchstem Niveau gearbeitet“, freut er sich. „Wir versuchen, aus unserem Paket das Beste herauszuholen, zählen aber sicherlich beim 24h-Rennen nicht zu den Top-Favoriten, da wir von allen Marken das älteste GT3-Auto im Feld haben.“

24h-Qualirennen: Starke Performance blieb unbelohnt
Bei der Generalprobe zum 24h-Rennen, dem ADAC Qualifikationsrennen 24h-Rennen stand der Abt-Bentley mit der Startnummer #38, den sich Mamerow mit Christer Jöns (Ingelheim) und Jordan Pepper (Südafrika) teilt, in der Startaufstellung nur auf Platz 13 und schaffte es damit noch nicht in die Liste der Startplätze für das Top-30-Qualifying. Das Schwesterauto # 37 dagegen mit Christopher Brück (Köln), Nico Verdonck (Belgien) und Christian Menzel (Kelberg) hat sich durch Startplatz zehn bereits qualifiziert und bewies damit auch: Die Briten sind mit ihrer Performance bei der Musik. Auch im anschließenden 6h-Rennen auf der 25,378 Kilometer langen Kombination aus Grand-Prix-Kurs und Nürburgring-Nordschleife lagen die beide Abt-Bentleys aussichtsreich im Rennen. Der Continental GT3 # 37 konnte sogar anfangs die Führung behaupten. Allerdings sahen beide Fahrzeuge nicht die Zielflagge, sondern schieden schon nach rund drei Stunden mit technischen Defekten vorzeitig aus. „Bei uns war es ein Turboladerschaden, der zum Ausfall führte“, erklärte Christian Mamerow enttäuscht. Jetzt hofft das gesamte Team auf mehr Glück beim 24h-Rennen…