Wolfgang Land: „Heute denke ich gerne an diese zwei Stunden zurück“

Es waren die „verrücktesten zwei Stunden“ seiner Motorsport-Karriere, in denen Wolfgang Land und sein Team beim ADAC Zurich 24h-Rennen 2017 vom Himmel in die Hölle und wieder zurück gerast sind. „Heute denke ich sehr gerne daran zurück, denn im Nachhinein weiß ich ja, dass es gut ausgegangen ist“, sagt der 65 Jahre alte Teamgründer und -chef. Nach dem lang ersehnten ersten Gesamtsieg von Land-Motorsport wird das Team in diesem Jahr mit der Startnummer 1 in die 46. Auflage des ADAC Zurich 24h Rennens (10. bis 13. Mai) gehen.

Nach 22 Renn-Stunden war das Quartett von Land-Motorsport im vorigen Jahr ungefährdeter Spitzenreiter beim Eifel-Marathon, als ein defekter Sensor am Audi R8 LMS mit der Nummer 29 den greifbar nahen Sieg scheinbar wieder einmal platzen ließ. Zu allem Überfluss ging dann auch noch der letzte Boxenstopp richtig schief, als Kelvin van der Linde (Südafrika) nach einem Missverständnis zu früh wieder losfahren wollte. „Der Tank war aber noch nicht voll, und wir mussten das Auto wieder zur Zapfsäule zurückschieben“, erinnert sich Land, früher einst selbst als zweimaliger Gesamtsieger im Porsche Carrera Cup erfolgreicher Rennfahrer.

„Regen, Regen, Regen!“
Aber dann kehrte plötzlich das Glück zurück. „Aus jeder Ecke der Box schrie plötzlich jemand: Regen, Regen, Regen!“, beschreibt Land die turbulenten Sekunden: „Das konnte man auf Fernsehbildern vom Pflanzgarten oder Brünnchen sehen. Aber alle Team-Mitglieder waren zu diesem Zeitpunkt ja mit dem Auto beschäftigt gewesen.“ Nachdem sich dann die Renningenieure auch noch einmal die Monitore angeschaut hatten, kam es zur letztlich goldrichtigen Entscheidung, die Wolfgang Land als Entscheidung des ganzen Teams bezeichnet: Van der Linde wurde mit Regenreifen als Dritter wieder auf die Strecke geschickt. Damit begann ein wahrer Triumphzug: auf der stellenweise komplett überfluteten Nordschleife holte er tatsächlich den vor ihm „schwimmenden“ Rowe-BMW und den führenden WRT-Audi wieder ein, die beide noch auf Slicks unterwegs waren. Gemeinsam mit dem Amerikaner Connor De Phillippi sowie Christopher Mies und Markus Winkelhock kletterten van der Linde und Teamchef Land bei der Siegerehrung schließlich auf das oberste Podest.

„Danach ging es Schlag auf Schlag: erst die offizielle Ehrung in der Bitburger-Stube, danach ein überwältigender Empfang in der Audi-Hospitality“, erzählt Land, der beim Feiern allerdings frühzeitig vom Gas ging: „Nach so intensiven 30 Stunden am Stück trinkt man zwei Bier und sackt dann innerlich irgendwie zusammen. Die Jungs haben aber zum Teil bis morgens um sechs durchgehalten.“

Weltweite Aufmerksamkeit für den Nordschleifen-Thriller
Der Bekanntheitsgrad des Teams ist durch diesen Erfolg schlagartig gestiegen. „Einer der ersten Gratulanten war Toto Wolf, der früher einmal bei uns gefahren war. Dass ein Mercedes-Motorsportchef das so wahrnimmt, hat mich riesig stolz gemacht. Und dass das halbe Formel-1-Fahrerlager in Monaco vor den Fernsehern dieses Rennen verfolgt hat, zeigt den besonderen Stellenwert des 24h-Rennens. Für den GT3-Sport ist es so wichtig wie Le Mans für die Prototypen. Und bei unseren anschließenden Renn-Auftritten in den USA habe ich erst gemerkt, wie viele Leute auch in Amerika dieses Rennen verfolgen.“

„Wir wollen die Nummer 1 behalten“
Für 2018 ist die Vorgabe nach dem Erfolg aus dem letzten Jahr klar. „Wir wollen natürlich die Nummer 1 behalten, aber dafür müssen wir noch mehr arbeiten. Wenn man nur ein halbes Prozent nachlässt, wird man bestenfalls Zweiter werden. Wir haben gezeigt, dass wir einen guten Job machen können, aber man muss noch akribischer daran arbeiten, dass keine Fehler passieren, auch wenn das eigentlich nie möglich ist, wenn ein Team 30 Stunden am Stück unter höchster Anspannung arbeitet. Selbst kleinste Fehler dürfen die Performance nicht beeinträchtigen“, sagt der Teamchef. Der Druck, den sich der Rennstall auch selbst für ein 24h-Rennen macht, hat sich durch den Sieg im vorigen Jahr nicht geändert. Die Erwartungshaltung ist nicht neu, aber man wird auch nach dem Erfolg auf keinen Fall nachlassen.

Guter Saisonauftakt
Mit dem Auftritt beim 1. VLN-Lauf war Land mit Blick auf das große Ziel im Mai recht zufrieden. „Wir waren bis eine Runde vor Schluss der schnellste Audi“, sagt Land über den vierten Platz, den Mies und van der Linde gemeinsam mit dessen jüngeren Bruder Sheldon herausgefahren hatten. Nicht ganz glücklich ist Wolfgang Land allerdings über die Aufstellung für das 24h-Rennen, bei dem sein Team anders als im vorigen Jahr nur mit einem Audi R8 LMS am Start sein wird. „Wir hätten gerne wieder zwei Autos eingesetzt, um eine Risikoverteilung zu haben“, sagt Land: „Aber Audi hat sich leider für ein anderes Modell entschieden.“ Die Ingolstädter setzen in diesem Jahr auf vier werksunterstützte Rennställe mit jeweils einem Auto.

Manthey triumphiert zum Auftakt

Beim ersten Saisonrennen der VLN konnte Manthey-Racing den Gesamtsieg auf der Nürburgring-Nordschleife einfahren. Die Porsche-Werksfahrer Kévin Estre, Earl Bamber und Laurens Vanthoor sorgten am Samstag mit ihrem Porsche 911 GT3 R für den insgesamt 51. Erfolg von Manthey-Racing in der Grünen Hölle. Gleichzeitig wurde damit der Auftaktsieg aus der VLN-Saison 2017 wiederholt.

Vanthoor hatte bereits in der Qualifikation für die 64. ADAC Westfalenfahrt eine optimale Ausgangssituation für die Startnummer 911 geschaffen, als er in 8:03.070 Minuten auf die Pole-Position fuhr. Nebel hatte den Beginn der Veranstaltung um gut 30 Minuten verzögert. Eine trockene Ideallinie und wenig Verkehr auf der schnellen Runde sorgten jedoch für Startplatz eins in der jungen Saison. Am Ende fuhr der Belgier eine knappe halbe Sekunde Vorsprung auf die Verfolger heraus.

Die beiden weiteren 911 GT3 R von Manthey-Racing konnten sich im Qualifying in den Startreihen drei und vier platzieren. Die Nummer 12 von Otto Klohs, Lars Kern und Porsche Young Professional Dennis Olsen qualifizierte sich für Startplatz fünf, der zweite Grello mit der Startnummer 912, pilotiert von den Porsche-Werksfahrern Richard Lietz, Nick Tandy und Patrick Pilet, ging von Position sieben aus auf die Strecke.

Beim Start ins Rennen ließ der 26-jährige Vanthoor in der gelb-grünen Nummer 911 nichts anbrennen und trat erfolgreich die Flucht nach vorne an. Am Ende konnte Manthey-Racing einen Start-Ziel-Sieg verbuchen. In Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen an gleicher Stelle in sieben Wochen waren zahlreiche GT3-Fahrzeuge am Start. Entsprechend wurde im Verfolgerfeld um jede Position gekämpft. Lietz, Tandy und Pilet konnten schließlich ihren siebten Platz verteidigen. Für Klohs, Kern, und Olsen wurde es am Ende Rang 15 im Gesamt-Klassement.

Insgesamt 163 Fahrzeuge nahmen das Vier-Stunden-Rennen in Angriff. Unter den Startern befanden sind auch zahlreiche VLN-Neueinsteiger, die für die eine oder andere Schrecksekunde sorgten. So wurden beispielsweise in Runde 17 auf der Döttinger Höhe zwar gelbe Flaggen geschwenkt, aber kein Code-60-Bereich ausgerufen. Dennoch verzögerten einige Fahrzeuge so stark, dass sich die führenden Fahrzeuge dahinter aufstauten und die Spitzengruppe plötzlich wieder innerhalb von zwei Sekunden lag.

Schlussfahrer Kévin Estre fuhr mit der Nummer 911 am Ende dennoch einen komfortablen Vorsprung von über 50 Sekunden auf den BWT-Audi heraus, der seinerseits zwei Sekunden vor dem Falken-Porsche ins Ziel kam. Der nächste VLN-Lauf findet mit dem 43. DMV Vier-Stunden-Rennen am 7. April statt.

Bernhard Demmer (Projektleitung): „Wir fangen die neue Saison an, wie wir die alte aufgehört haben und freuen uns sehr über den 51. Manthey-Racing-Sieg in der VLN. Für Fahrer, Auto und Team war das eine perfekte Vorbereitung für das 24-Stunden-Rennen. Vor allem in puncto Setup scheinen die Ideen, die wir im Winter hatten, gut zu funktionieren. Jetzt geht es noch um weitere Verbesserungen im Detail in allen Bereichen, um im Mai dann perfekt aufgestellt zu sein.“

Earl Bamber (#911 Porsche 911 GT3 R): „Wegen meiner Einsätze mit den Porsche-Prototypen konnte ich hier lange nicht mehr mit dem Manthey-Elfer fahren. Von daher war es sehr schön, nach über einem Jahr mal wieder hier zu sein. Die Nordschleife ist eine der spektakulärsten Rennstrecken auf der Welt. Jeder Fehler wird hart bestraft. Hier jetzt gewonnen zu haben, ist wirklich toll.“

Patrick Pilet (#912 Porsche 911 GT3 R): „Es gab eine Menge Code-60-Phasen. Einmal konnten wir sogar davon profitieren und wieder an die Spitzengruppe heranfahren. Zu Rennbeginn sind wir etwas früher zum Tanken reingekommen, es war aber nicht möglich, uns dadurch nach vorne zu schieben. Das Auto ließ sich gut fahren und ich denke, das war eine gute Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen.“

Otto Klohs (#12 Porsche 911 GT3 R): „Wir hatten zwar ein wenig mit einer Top-Ten-Platzierung geliebäugelt, aber wir haben dann in meinem Stint mit den ganzen Doppel-Gelb- und Code-60-Phasen einfach zu viel Zeit verloren. Im Verkehr waren dann auch ein paar kritische Situationen dabei, wo ich einfach ein wenig Risiko rausgenommen haben, um sicher ins Ziel zu kommen. Das Auto hat aber einwandfrei funktioniert, und das stimmt einen dann doch zufrieden.“

Mücke Motorsport feiert Podestplatz

Der Testlauf von BWT Mücke Motorsport zur Vorbereitung auf das ADAC Zurich 24h-Rennen hätte kaum besser laufen können. Beim ersten Rennen der VLN, der 64. ADAC Westfalenfahrt, kam der Audi R8 LMS mit der #24 auf Rang zwei ins Ziel. Audi Sport Fahrer Markus Winkelhock und Audi Werkspilot Nico Müller lagen nach vier Stunden Renndauer auf der Nürburgring-Nordschleife weniger als eine Minute hinter den Siegern.

BWT Mücke Motorsport wird beim ADAC Zurich 24h-Rennen am zweiten Mai-Wochenende mit der #24 als Audi Sport-Einsatzteam unterwegs sein. Beim legendären Klassiker in der Grünen Hölle sitzt Vorjahressieger Markus Winkelhock erneut am Steuer des pinken Audi R8 LMS. Beim ersten Start von BWT Mücke Motorsport bei den 24 Stunden Nürburgring greift außerdem Christopher Haase ins Lenkrad. Die weiteren Piloten werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

Das zweite Fahrzeug von BWT Mücke Motorsport ereilte schon früh im Rennen das Pech. Wegen eines Reifenluftdruckproblems musste der Audi R8 LMS mit der #25 bereits nach der ersten Runde die Box ansteuern. Mit einer Aufholjagd schafften es Ford-Werkspilot Stefan Mücke, Audi Sport Fahrer Pierre Kaffer und Nordschleifen-Koryphäe Christer Jöns in einem stark besetzten Feld auf Rang 18.

Peter Mücke (Teamchef): „Wir waren eigentlich nur am Start, um zu lernen und uns auf die 24 Stunden Nürburgring vorzubereiten. Dass dabei so ein Resultat herauskommt, ist natürlich umso schöner für das Team, das hart gearbeitet hat, und für die Fahrer, die perfekt abgeliefert haben. Wir waren von Beginn des Rennens an konkurrenzfähig. Leider hatten wir mit unserem anderen Auto Pech und mussten schon früh zum Reifenwechsel. Das trübt aber nicht ein insgesamt tolles Wochenende.“

Matthias Kieper (PR & Team-Management): „Wir sind sehr glücklich mit dem Ausgang dieses Rennens. Bei unserer ersten Teilnahme mit dem Audi R8 LMS bei der VLN sofort auf dem Podest zu landen, ist mehr, als wir uns erträumt hatten. Der Winter und speziell die letzten Wochen waren nochmals turbulent und voller Neuerungen. Entsprechend schön ist es, dass das gesamte Team sich nicht aus der Ruhe hat bringen lassen und mit einem so tollen Ergebnis belohnt wurde. Wir haben viele Erkenntnisse gesammelt, die uns beim 24-Stunden-Rennen natürlich helfen werden.“

Michael Weiss (Technische Leitung): „Wir sind nach wie vor Rookies, was Langstreckenrennen angeht und unser Wissen über die Nordschleife ist natürlich noch nicht so groß wie das der anderen Teams. Angesichts dessen ist es für uns mehr als positiv gelaufen. Die Fahrer und das Team haben einen fantastischen Job gemacht. Ein großes Dankeschön geht auch an Audi Sport customer racing für die Unterstützung. Leider waren wir bei der #25 aus Sicherheitsgründen zu einem frühen Stopp gezwungen, da es Probleme mit dem Reifenluftdruck gab. Das stört natürlich das Rennen. Dennoch konnten wir wertvolle Erfahrungen sammeln und Dinge ausprobieren, die uns für das 24-Stunden-Rennen helfen. Wir werden die Daten jetzt auswerten und uns weiter intensiv auf unser Debüt vorbereiten.“

ETCC: Viel Action in Ungarn

Mit zwei actionreichen Läufen auf dem Hungaroring machten die Piloten des FIA Tourenwagen-Europacups (ETCC) Lust auf die nächste Runde beim ADAC Zurich 24h-Rennen. Dort werden die ETCC-Starter jeweils als separate zweite Startgruppe in den beiden Läufen der WTCC antreten. Der Mann, den es dann zu schlagen gilt, ist der Schweizer Christjohannes Schreiber. Der Rikli-Pilot konnte in seinem Honda Civic in den beiden Läufen in Ungarn gewinnen und liegt nun knapp vor den schärfsten Verfolgern: Petr Fulin (Seat) und Teamkollege Peter Rikli (Honda). Schreibers holte den Doppelsieg, nachdem er im ersten Rennen Lokalmatador Zsolt Dávid Szabó hinter sich lassen konnte. Im zweiten Lauf war der Weg zum Sieg frei, nachdem der Honda seines schweizerischen Landsmannes und Teamkameraden Peter Rikli in der letzten Rennrunde mit einem Antriebswellenschaden ausrollte.

Den ersten Schritt zum perfekten Wochenendergebnis machte Christjohannes Schreiber, als er im ersten Lauf Lokalmatador Zsolt Dávid Szabó schlagen konnte. Der Ungar war von der Pole gestartet, kam aber schlecht weg und fand sich auf der sechsten Position wieder. Der von Position drei aus gestartete Schreiber hingegen übernahm von der dritten Startposition aus die Führung. Szabó konnte sich aber zurückkämpfen und hatte es in der siebten Runde bis auf die zweite Position geschafft. Von dort setzte er Schreiber unter Druck und ging in der vorletzten Kurve der zehnten Runde sogar vorbei. Da er den Konkurrenten dabei aber berührte, ließ Szabó den Schweizer wieder passieren, blieb aber in Tuchfühlung. Doch bis ins Ziel fand er keinen Weg mehr vorbei, sodass Schreiber das aufregende Finish für sich entschied und vor Szabó und Nagy abgewinkt wurde.

Die ETCC-Meisterschaftsführung baute Schreiber auch im zweiten Lauf aus. In dem in umgekehrter Reihenfolge gestarteten Rennen startete er von Platz acht und fuhr bis auf Position eins nach vorne. Es hätte ein Doppelsieg für das Team werden können, wäre Peter Rikkli nicht mit einer defekten Antriebswelle kurz vor dem Zieleinlauf ausgerollt. So ging Platz zwei an den Kasachen Alexandr Artemyev. Der Ungar Norbert Nagy schaffte es zur Freude der ungarischen Fans als Drittplatzierter auf das Podium. Das entschädigte die einheimischen Zuschauer, nachdem zuvor Zsolt Dávid Szabó nach einem Unfall mit Petr Fulín ausgeschieden war.

„Ehrlich: Das erste Rennen war das härteste meiner ganzen Karriere“, atmete Christjohannes Schreiber nach Fallen der Zielflagge auf. „Szabós grünes Auto wurde im Rückspiegel immer größer. Ich musste versuchen, ihn hinter mir zu halten und mein Auto nicht zu überfahren. Ich bin glücklich, dass ich es geschafft habe, ihn zu schlagen – er ist wirklich ein höllisch schneller Fahrer. In Lauf zwei habe ich vor allem darauf geachtet, mir Reifen und Bremsen einzuteilen, um am Ende Peter Rikli noch angreifen zu können. Heute war es dann nicht möglich.“

ETCC 2017 - Punktestand vor Nürburgring

1Christjohannes Schreiber(SUI)41 Punkte
2Petr Fulien(CZE)25 Punkte
3Norbert Nagy(HUN)23 Punkte
4Peter Rikli(SUI)21 Punkte
5Igor Stefanovski(MKD)15 Punkte
6Zsolt David Szabo(HUN)14 Punkte

WTCC: Spannender Lauf in Budapest macht Lust auf die Nordschleife

Der Portugiese Tiago Monteiro (Honda) kommt als Tabellenführer der FIA-Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) zum Nürburgring. Beim ADAC Zurich 24h-Rennen steht für die Weltspitze des Tourenwagen-Sports das vierte Saisonwochenende an, das mit der Nordschleife die wohl größte fahrerische Herausforderung des ganzen Jahres bereithält. Bei der dritten WTCC-Runde in Ungarn wurden nun die Karten vor diesem Saisonhöhepunkt verteilt. Monteiro konnte die Führung in der Meisterschaft verteidigen. Ein Sieg im Eröffnungsrennen und Platz fünf im Hauptrennen reichte ihm, um den Schweden Thed Björk (Volvo) auf Distanz zu halten. Das mit mehr Punkten belohnte Hauptrennen gewann der Marokkaner Mehdi Bennani (Citroën) vor Nicky Catsburg im Volvo und Tom Chilton in einem weiteren Citroën: Die Kräfteverhältnisse zwischen den verschiedenen WTCC-Modellen sind derzeit ausgeglichen und versprechen ein spannendes Rennwochenende in der Eifel.

Das Qualifying in Ungarn konnte ein Pilot dominieren, der auf der Nordschleife zu den erfahrensten WTCC-Startern gehören wird: Rob Huff beendete eine lange Durststrecke, als er im Citroën Elysee die Pole holen konnte – gerade einmal 0,327 Sekunden vor seinem Markenkollegen Mehdi Bennani. Chevrolet-Pilot Esteban Guerrieri (ARG) ließ als Trainings-Dritter die Volvo-Piloten Nicky Catsburg (NED) und Néstor Girolami (ARG) hinter sich und bewies damit, dass auch sein Fabrikat in diesem Jahr bei der Musik ist.

In den beiden Rennen waren es Bennani und Monteiro, die den Ton angaben. Der Marokkaner Bennani war mit seinem Sieg im Hauptrennen schon der fünfte Pilot, der sich in der laufenden Saison als Sieger in der Statistik notieren lassen konnte. Es war der vierte Triumph seiner Karriere. Das Eröffnungsrennen gehörte Monteiro, nachdem sein Teamkollege im Honda-Werksteam, Norbert Michelisz, chancenlos blieb: Er geriet in der ersten Runde mit Volvo-Pilot Thed Björk aneinander und fiel zurück. Immerhin konnte er sich im anschließenden Hauptrennen wieder bis auf den vierten Platz nach vorne kämpfen.

Tom Chilton (Citroën) war der Mann der Stunde in der WTCC Trophy, der Wertung der Privatfahrer in der Weltmeisterschaft. Er holte zwei Podiumsplatzierungen und machte kräftig Boden gut. Auch der Trophy-Tabellenführer und Schnellste des Qualifyings, Rob Huff, zeigte im Eröffnungsrennen eine starke Leistung: Er fuhr in dem Lauf, der jeweils in umgekehrter Reihenfolge des Trainingsergebnisses gestartet wird, bis auf Platz drei nach vorne. Im Hauptrennen allerdings konnte er die Pole nach einem verpatzten Start nicht in einen Erfolg umsetzten. Stattdessen wurde er in einen Fight mit den Volvo-Piloten Nicky Catsburg und Néstor Girolami verwickelt, der für Girolami in den Leitplanken endete. Huff kassierte dafür eine Drive-Through-Strafe – just in dem Augenblick, als er die Führung übernommen hatte. So verlor er die Spitzenposition wieder an den eben niedergerungenen Bennani, der anschließend den Sieg vor Catsburg und Chilton nach Hause brachte.

„Dieses großartige Ergebnis ist sehr schön”, freute sich Bennani nach seinem Sieg. „Ich habe versucht, alles zu geben. Zwei Mal wurde die Bremse weich, sodass ich schon befürchtet hatte, dass ich ausscheiden würde. Rob Huff hat es mir auch nicht einfach gemacht und von Beginn an enorm viel Druck gemacht. Eine Schande, dass er die Strafe kassiert hat, es war eigentlich sein Rennen.“