Neuer Qualifyingmodus: „Wir wollen, dass sie kämpfen“

Die engen Duelle, die es an der Spitze des 24h-Rennens in den vergangenen Jahren gab und die die Fans förmlich von den Sitzen gerissen haben, sind nicht von Gott gegeben, sondern das Ergebnis einer aufwändigen Bewertung und Einstufung der Top-Fahrzeuge in der sogenannten „Balance of Performance”. Um dieses hohe Level der Chancengleicheit zu erhalten, haben die Verantwortlichen des ADAC Nordrhein das Einstufungsverfahren der GT3-Fahrzeuge über den Winter weiter verfeinert. Vor allem das Einzelzeitfahren zur Ermittlung der besten Startplätze und die Qualifikation dafür rückten in den Blick der Regelmacher.

Die erste grundsätzliche Änderung ist die Anzahl der teilnehmenden Fahrzeuge. Diese ist nicht mehr auf 30 beschränkt. Deswegen heißt das Einzelzeitfahren nun Top-Qualifying und nicht mehr Top-30-Qualifying. Teilnahmeberechtigt sind nun neben den „Pro“- auch die „Pro-Am“-Teams – das heißt ein Teil der Startplätze ist für Privatfahrer reserviert. Das macht den Kampf noch interessanter! Die Unterteilung erfolgt anhand der FIA-Einstufungen.

Top-Qualifying für „Pro“ und „Pro-Am“
In den vergangenen Jahren schafften es meistens alle „Pro“-Teams ohne größere Probleme, sich für das Top-30-Qualifying zu qualifizieren. Um bei ihnen den Kampfgeist zu wecken, wurden mehrere Änderungen beschlossen: So können maximal 80 Prozent der genannten „Pro“-Teams den Sprung ins Top-Qualifying schaffen. Zudem werden die qualifizierten Teams erst nach dem ADAC 24h-Qualirennen bekanntgegeben. Somit kann sich keines der Teams hundertprozentig sicher sein, sich qualifiziert zu haben. „Wir wollen, dass sie bis zuletzt kämpfen“, erklärt Rennleiter Walter Hornung. „Damit steigt der Druck, die wahre Leistungsfähigkeit vor dem eigentlichen 24h-Wochenende offenlegen zu müssen.”

Bislang wurden die schnellsten Rundenzeiten aus dem Qualifying und die Top-Positionen aus den VLN- und dem 24h-Qualirennen herangezogen, um die Teilnehmer für das Top-30-Qualifying zu finden. Das war zwar ein von außen nachvollziehbarer Vorgang, der aber bei genauerer Betrachtung auch Nachteile hatte. So konnten Teams das Pech haben, auf ihren schnellen Runden durch den Verkehr oder Flaggensignale, eingebremst zu werden. Oder Piloten waren mit Absicht in einzelnen Sektoren langsam unterwegs, um das wahre Potenzial ihrer Fahrzeuge nicht zu zeigen. Zum einen, um die Konkurrenz im Unklaren zu lassen und um eine härtere BoP-Einstufung zu verhindern.

Genauere Analyse der Rundenzeiten
Nun wird das ganze Verfahren etwas komplizierter, aber auch fairer und genauer. Für die Beobachter des Livetimings ist die Strecke in neun Sektoren unterteilt. Um die Rundenzeiten aber genauer analysieren zu können, haben die Verantwortlichen den GP-Kurs und die Nordschleife in 42 Sektoren aufgeteilt. Diese werden analysiert und die besten Sektorzeiten aus fünf zusammenhängenden Runden genommen. Zusätzlich werden die Informationen aus den Dataloggern der Fahrzeuge, GPS-Daten und Streckenmeldungen zur Ermittlung der schnellsten Teams herangezogen.

„Aus der Sicht der Regel- und BoP-Macher kann ich das neue System verstehen. Würde ich auch so machen“, so Rowe-Racing-Teamchef Hans-Peter Naundorf. „Für den Fan wird es leider intransparenter. Aber es gibt eben keine einfache Lösung. Grundsätzlich ist es wichtiger, dass wir alle ein ausgewogenes Rennen sehen. Es ist besser eine gute und sportliche Show zu haben und dafür auf einen einfachen Modus zu verzichten.“

Am Montag nach dem 24h-Qualirennen wird damit begonnen, die enormen Datenmengen auszuwerten und die ersten Teilnehmer des Top-Qualifyings zu nennen. Weitere Teams können sich noch in den Zeittrainings des ADAC Total 24h-Rennen qualifizieren.